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2007: Mit dem Boot nach Brasilien

Einsame Cabaña am Fluss

Wir unternahmen in den letzten Jahren mehrere Bootsreisen zu Versorgungseinkäufen und Erkundungen auf den Flüssen nach Brasilien. Die Fahrt auf dem Rio Paraguá bis zur Mündung und dann 22 Stunden den Iténez stromaufwärts bis zu der brasilianischen Ortschaft Pimenteras ist immer voller Eindrücke, wie man sie nur auf einem noch ungezähmten Fluss haben kann. Die Fahrt auf dem Fluss gestaltet sich je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich. Nach der Regenzeit fließen ungeheure Mengen Wasser zum Amazonas. Die Ufer sind verschwunden, die Bäume stehen im Wasser, soweit das Auge reicht. Man kann plötzlich Abkürzungen auf Wasserwegen fahren, die es vorher nicht gab. Überall strömt und gurgelt das Wasser und wenn man kentert oder das Boot bekommt ein Loch und sinkt, ist keine Rettung möglich, es sei denn man könnte sich viele Kilometer von Baum zu Baum weiterhangeln. Während der Trockenzeit führt der Fluss wenig Wasser, die Ufer liegen hoch und malerische Sandbänke laden zum Übernachten ein. Auf der bolivianischen Seite fahrt man die ganze Zeit am  Nationalpark Noel-Kempff-Mercado mit zum Teil noch eindrucksvollem Primärurwald vorbei und auf der gegenüberliegenden brasilianischen Seite (Mato Grosso, Rondonia) täuscht mindestens der noch vorhandene Galeriewald am Flussufer eine intakte Landschaft vor. Gestört wird die Idylle durch die brasilianischen Fischräuber, die sich auf der für sie (wenn es denn kontrolliert werden könnte), verbotenen bolivianischen Nationalparkseite zu schaffen machen und nachts die Schnellboote der Kokainschmuggler, die mit hoher Geschwindigkeit und ohne jede Beleuchtung an uns vorbeischossen.

Kaiman in UfernäheAuf einer Fahrt weiter ins Landesinnere Brasiliens musste ich mich dann davon überzeugen, daß in diesem noch vor zwanzig Jahren kaum berührten Landesteil Rondonia/Matto Grosso kaum noch ein Baum stehen geblieben ist und daß die brennende Sonne das Klima fast unerträglich macht, weil die den Boden schützende Vegetation fehlt. Die unvermeidbare Wüstenbildung ist hier durch Menschenhand eingeleitet worden. Auf dem Rio Iténez selbst bewiesen die menschlichen Aktivitäten, daß auf dem Fluß längst keine heile Welt mehr ist, wenn wir auch nachts alle hundert Meter die Augen eines Kaimans in Ufernähe leuchten sahen. Wieder einmal wurde mir klar, warum unser Einsatz in Bolivien so wichtig ist. Die brasilianischen Ortschaften in Flussnähe manifestieren in ihrem Erscheinungsbild das Vorübergehende ihrer Existenz. Wenn auch gegenüber Bolivien ein höherer Lebensstandard erreicht wurde, so haben die Ansammlungen stilloser Zweckbauten keine eigene Identität. Damit ist das Zurückkommen in das arme, aber authentische Piso Firme nach flussabwärts nur 15-stündigen Fahrt trotz der in Brasilien vorgefundenen Annehmlichkeiten wie eine Heimkehr. Die Fahrt, zum Teil in der Dunkelheit, erfordert aufgrund von Untiefen, Hindernissen  usw. von Allen an Bord ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, so daß wir nicht nur beeindruckt, sondern auch müde in Piso Firme wieder ankamen.


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