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2005: Reisebericht von Klaus Braunert

Der Aufenthalt 2005 in Bolivien verlief anders als geplant und mit unterschiedlichen Ergebnissen. Einerseits Fortsetzung angefangener Aufgaben, andererseits das enttäuschende Erlebnis, dass die Fahrt nach Piso Firme aufgrund der verspäteten Regenzeit 150 Kilometer vor dem Ziel abgebrochen werden musste. Unser Fahrzeug blieb immer wieder im Schlamm stecken blieb und kam schließlich gar nicht mehr voran. Ich Die Arbeiten in Piso Firme mussten an unsere bolivianische Mitstreiterin Maribel Añez delegiert und um zwei Monate verschoben werden. Auf ihrer Fahrt in der Trockenzeit wurde sie dann von Franz Josef Kerkhoff begleitet. Einen Monat später wäre die Strecke trocken und relativ leicht befahrbar gewesen. So wie es ist, muß ich mich, Piso Firme betreffend, damit begnügen, diesmal die Dinge aus der Ferne zu beobachten.
Eine Genugtuung war mir auf der abgebrochenen Fahrt vergönnt: Wir entdeckten auf dem Wege eine Boa Constrictor (Würgeschlange) die ich in den Wald zurückbringen konnte, bevor die nicht weit hinter uns fahrenden Lastwagen mit ihrer Ladung von Urwaldstämmen, sie erreichten, was mit Sicherheit ihr Ende gewesen wäre.

Aus Anlass der Bekanntschaft mit dem Besitzer einer Holzkonzession und Sägewerksbesitzers an dieser Strecke erzählte mir dieser nebenbei, das er häufig nach Italien reise, wohin er seine Edelhölzer verkaufe, die in handliche Bohlen gesägt, in großen Stapeln zum Abtransport bereit lagen. Wer also demnächst Tropenholzmöbel aus Italien im Supermarkt sieht, mit einem erfundenen Qualitätssiegel "aus Plantagenanbau", dem kann ich versichern, daß diese vermutlich aus den letzten großen Urwaldbäumen aus dem bolivianischen Oriente gemacht worden sind.

Piso Firme

Was dort bisher in diesem Jahr getan wurde, betrifft die fortgesetzte Pflege des Grundstücks und der Cabañas (Häuser) dort und die Gestaltung des parkartigen Grundstücks. Die große Cabaña wurde in einen Schlaf- und einen Aufenthaltsbereich aufgeteilt. Es wurden weitere Betten, Hängematten, Moskitonetze, Sitzmöbel und ein Kühlschrank angeschafft. Für die weitere Befestigung und Stabilisierung der Cabañas wurde Material benötigt, wie Holz, Fliesen, Zement und Farbe. Da die meisten Materialien aus Santa Cruz angeliefert wurden, musste Fracht bezahlt werden, im Falle der 50 Kg Zementsäcke sogar recht viel. Deshalb sind Zementfußböden in Piso Firme eine Seltenheit, weil die Leute sich das Material nicht leisten können. Diese Hinweise informieren über die Ausgaben in diesem Jahr, nicht gerechnet die Aufwendungen für das Gehalt des Casero und andere Lohnkosten, sowie Zahlungen an die Verwaltung des Dorfes (Gemeindesteuer“) und andere laufende Kosten.

Das Projekt Piso Firme liegt zur Zeit im Dornröschenschlaf und wartet auf Besucher, Wissenschaftler, Studenten, Naturfilmer und Naturfreunde. Was uns so reizvoll erscheint, nämlich die Entlegenheit des Ortes, stellt sich als Problem heraus, weil sich offenbar niemand mehr die Zeit nimmt, weite, nicht ganz bequeme Reisen zu machen. Ich habe mir andere Angebote angesehen. Die Angebote in den Katalogen von Anbietern von Natur- und Abenteuerreisen sind im allgemeinen sehr teuer und dennoch werden die Leute fast nur an Orte geführt, die auch jeder Normaltourist problemlos und ohne erfahrene Begleitung aufsuchen kann. In Piso Firme stellen sich eher mal Besucher aus Bolivien selbst ein, für die etwas schwierige Reisen kein so großes Hindernis sind.

Concepción

Dort verbrachte ich wieder einige Tage. Der Ort entwickelt sich immer mehr zu einem bedeutenden Zentrum zum Sammeln und der Weiterzucht von Orchideen. Es gibt eine große Anzahl verschiedener wildwachsender Arten in der weiteren Umgebung und Einwohner des Ortes versuchen sich mit zum Teil beachtlicher Sachkenntnis in der Kultivierung dieser beeindruckend schönen Gewächse, sowie dem Züchten von Hybridformen. Ich weise darauf hin, weil es sich auch für Fachleute und Amateure auf diesem Gebiet lohnt, sich bei den Züchtern oder Blumenfreunden dort umzusehen. Es gibt dort inzwischen ein jährlich durchgeführtes Orchideenfestival, das viele Besucher anzieht.

Wir haben in Concepción ein Haus auf einem weiträumigen Grundstück an einem See. Der Ort eignet sich hervorragend als Zwischenstation zur Erholung auf dem Wege zu entfernteren Zielen, wie zum Beispiel Piso Firme, Nationalpark Kempff-Mercado oder in den bolivianischen Teil des Pantanal.

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Monokulturen und tote Wälder in Südbrasilien

Vor meinem Rückflug bin ich von Bolivien aus quer durch Südbrasilien gefahren und habe bis auf ein paar Urwaldreste an der Atlantikküste nur noch "Kulturland" in schlechtestem Sinne gesehen, das heißt unendliche Monokulturen, tote Wälder, die aus importiertem, den Boden schädigenden, Eukalyptus bestehen und Viehhaltung, soweit das Auge reicht. Die Verwandlung dieser riesigen Flächen in Wüsten, nachdem die gesamte endemische Vegetation verschwunden ist, dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Ist also alles schon vorbei? In zehn bis zwanzig Jahre kann man diese Frage endgültig mit "Ja" beantworten, wenn wir und andere Naturfreunde (natürlich auch solche aus den betroffenen Ländern) aufgeben und nichts mehr machen. Jedes Jahr sehen wir, daß auch in Bolivien die Brandrodungsflächen größer werden.


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