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Versorgung mit Trinkwasser für Piso Firme

Der Wasserspeicherturm in Piso Firme

Unser erstes großes Vorhaben in Bolivien im Jahre 1998 war zugleich ein schwieriges: die Versorgung mit fließendem Trinkwasser für die an der brasilianischen Grenze, weit abgelegene, Gemeinde Piso Firme als Gegenleistung für die Kooperation des Ortes bei Naturschutzmaßnahmen. Diese Aktion war zu verschiedenen Malen vom Scheitern bedroht, letzten Endes aber doch nach Überwindung vieler Hindernisse und finanzieller Engepässe erfolgreich.

Es fing damit an, daß unsere damalige bolivianische Partnerorganisation mit den Dorf-Oberen einen Vertrag gemacht hatte, der vorsah, daß ein großes Areal in der Nachbarschaft als Naturschutzgebiet ausgewiesen würde und wir ein großzügig bemessenes Grundstück am Fluss erhielten, um eine Station für Besucher und für uns dort zu errichten. Dafür sollten wir dem Ort mit verschiedenen Entwicklungsmaßnahmen helfen, deren wichtigstes ein Trinkwasserprojekt war.

Ein Wassertank wurde transportiert

Der Speicherturm nach seiner AnkunftUm einen gleichmäßigen Wasserdruck für den auf mehrere Quadratkilometer verstreuten Ort zu erzielen, musste zunächst ein stählerner Wassertank aus Santa Cruz de la Sierra (750 km von Piso Firme) herangeschafft und aufgestellt werden. Dieser hat eine Höhe von 16 Metern und eine Kapazität von 24 000 Litern Wasser. Der Transport erfolgte auf einem Spezialtransporter über den teilweise abenteuerlichen Dschungelweg, der nach Piso Firme führt. Noch heute frage ich mich, wie einige der auf diesem Wege zu überquerenden, aus Baumstämmen oder ein paar Bohlen bestehenden, Brücken das Gewicht ausgehalten haben. Jedenfalls gelangte das Riesenteil an Ort und Stelle und mit einer Truppe von mitgekommenen Arbeitern sollte das Ding von Waagerechten in die Senkrechte gebracht und auf einem Betonsockel verschraubt werden.

Man hatte dazu ein paar Flaschenzüge und einen etwa drei Meter hohen Eisenbock mitgebracht. Es gelang auch ziemlich schnell, den Turm auf einen Winkel von etwa 30 Grad zu bringen, aber dann ging nichts mehr. Das Montagegestell verbog sich und der große Turm mit dem großen Behälter am oberen Ende wies in die Luft, ohne sich auch nur ein Stück weiter rühren zu wollen. Die Spezialisten wussten keinen Rat und mühten sich vergebens solange ab, bis die Sonne sich schon zum Horizont neigte. Da fiel dem Vorsitzenden unserer damaligen bolivianischen Partnerorganisation seine Bekanntschaft mit dem Betriebsleiter eines fünfzig Kilometer entfernten Sägewerks ein. Er machte sich also dorthin auf und kam nach einigen Stunden mit einem großen Schaufelbagger zurück.

Der Wassertank wurde aufgerichtet 

Vorbereitung des Tanks zum AufrichtenTrotz großer Bedenken, daß der Schaufelarm das Gewicht nicht würde halten können und der Turm herunterfallen und einige Leute und Anderes erschlagen würde, setzte sich der tollkühne Fahrer des Baggers mit seinem Fahrzeug unter den schräg liegenden Turm und fuhr Zentimeterweise die Schaufel aus. Erst passierte wenig, dann fast zu viel, denn die Sache geriet ins Rutschen. Kurz, nach vielem Probieren hob sich der Turm Stück für Stück, erreichte bei Sonnenuntergang den toten Punkt und kippte dann ohne weiteren Stress genau mit den Löchern auf die im Beton verankerten Bolzen. Damit war auch die bisher größte technische Herausforderung unserer Aktivitäten, die auch die erste größere war, bewältigt.

Der Turm sollte dann noch zwei Jahre als sichtbares Zeichen unseres Bemühens aber ohne weiteren Fortschritt dort herumstehen, da die Partnerorganisation oder ihr Vorsitzender, das konnte man später nicht mehr so genau feststellen, sich unter Einbehalt einer großzügigen Vorauszahlung von uns für den Weiterbau und ohne weitere Mitteilung diskret zurückgezogen hatte.

Vorher waren in Piso Firme schon Vorarbeiten für die Station auf dem vorbereiteten Grundstück gemacht worden. Fünf Cabañas waren schon mit Palmendächern gedeckt und es war Geld ausgegeben worden. Ich hätte also den Spendern in Deutschland sagen, daß ihr Geld weg sei und zudem die Leute in Piso Firme enttäuschen müssen. Ich entschied mich, nach Piso Firme zu fahren und mit den Vertretern des Ortes zu reden und herauszubringen, ob wir es auch allein schaffen könnten. In einer Vollversammlung des Ortes stimmten die Leute (natürlich) dafür, daß wir ohne die Herrschaften aus Santa Cruz weitermachen sollten und ich muß sagen, daß von da an, alle, zugegeben nicht geringen, Schwierigkeiten besser bewältigt werden konnten.

Nach 4 Jahren floß endlich das wohlschmeckende Wasser

Kinder an der WasserzapfstelleNachdem wir von der zuständigen Verwaltung in San Ignacio mit allerlei Topographen und Planungsingenieuren verwirrt wurden, hatten wir das Glück, einen tüchtigen praktisch - technischen Helfer (George Torrico) zu finden, der uns ohne die vorgesehene teure Planungsstudie ohne jede Zeichnung zügig half, die Leitungen zu verlegen, Pumpen und Generator anzuschließen und Zapfstellen einzurichten, sodaß vier Jahre nach Aufstellung des Tanks wohlschmeckendes klares Wasser in allen Teilen eines Ortes floss, dessen Bewohner nur Wasser aus einem nahegelegenen Fluss oder einer kleinen Handpumpe hatten. Wir hatten Glück, waren aber auch zäh und geduldig. Die Dorfbewohner waren sehr zufrieden, halfen uns, wo sie konnten und immer noch haben wir einen guten Stand dort.

Unsere Station am Fluss ist fertig und sieht sehr malerisch aus. Schade ist, daß sie bisher kaum Jemand besucht, niemand dort gefährdete Wildtierpopulationen, oder von mir aus Spinnentiere, erforscht oder spannende Fernsehfilme dreht, obwohl die „location“ das leicht hergeben würde. Alle meine entsprechenden Kontaktaufnahmen bei angesehenen Instituten wurden bisher mit negativen Argumenten beschieden, die auf eine gewisse arrogante Ignoranz schließen lassen. Die gegenwärtige Kooperation mit dem Ort Piso Firme ist ein Handel, bei dem jede Seite, also sie und wir, möglichst viel herausholen wollen, wir für den Natur- und Artenschutz, sie, die Bewohner, eher für sich selber. Obwohl das Eine oder Andere in unserem Sinne erreicht wurde, ist die Notwendigkeit, die bisher nur als Nahrungs- und Materialquelle betrachtete Umgebung jetzt plötzlich als schutzbedürftig zu sehen, doch sehr schwer in die Köpfe der Leute zu bringen.

Ein großer Genuß ist aber doch das weiche, angenehm schmeckende Wasser, daß, wenn ich dort in unseren Cabañas bin, zu jeder Zeit aus dem Hahn sprudelt. Der Aufwand hat sich bis hierher gelohnt. Allerdings nur, wenn sich andeutet, daß wir auch mal die Stafetten an Jüngere weitergeben können.


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